Koala-Weibchen Scarborough verstorben
Trauriger Verlust im Zoologisch-Botanischen Garten Stuttgart
Koala-Weibchen Scarborough lebte seit 2023 in der Wilhelma
Pressemitteilung der Wilhelma Stuttgart vom 11.02.2026
In der Australienwelt Terra Australis der Wilhelma ist es zu einem weiteren Todesfall bei den Koalas gekommen: Das fast sieben Jahre alte Weibchen Scarborough musste am 29. Januar 2026 aufgrund ihres sich stark verschlechternden Gesundheitszustands eingeschläfert werden.
Wie der leitende Tierarzt der Wilhelma, Dr. Tobias Knauf-Witzens, erläutert, bestätigte der pathologische Befund eine schwere Anämie (Blutarmut) als unmittelbare Todesursache. „Leider konnte trotz umfangreicher Untersuchungen keine eindeutige Ursache für diese Anämie festgestellt werden“, so Knauf-Witzens. Zusätzlich wurde bei Scarborough das Bakterium Bordetella bronchiseptica in Lunge, Leber und Niere nachgewiesen.
In den vergangenen Monaten hatte die Wilhelma bereits den Verlust der beiden jungen Koalas Jimbelung und Borobi zu beklagen, die im Juni 2024 geboren wurden. In diesen beiden Fällen waren Bordetellen die eindeutige Ursache schwerer Lungenentzündungen, an denen die Jungtiere verstarben. Auch bei Scarborough war der Erreger seit Herbst 2025 nachweisbar. Anders als bei den beiden Jungtieren entwickelte sie jedoch keine Lungenerkrankung. Ob ein Zusammenhang zwischen dem Auftreten der Bordetellen und der bei ihr festgestellten Anämie besteht, kann weder bestätigt noch ausgeschlossen werden.
„Aufgrund unserer Erfahrungen haben wir uns entschlossen, unsere Koalas regelmäßig gegen Bordetellen zu impfen“, erklärt Dr. Knauf-Witzens. „Bislang gab es dafür keine offizielle Empfehlung, da solche Erkrankungen bei in Europa gehaltenen Koalas in dieser Form bislang nicht bekannt waren.“ Volker Grün, für die Terra Australis zuständiger Kurator und Co-Zuchtbuchkoordinator des Europäischen Ex-Situ Programms (EEP) zeigt sich tief betroffen: „Der Tod von Scarborough trifft uns sehr. Wir stehen in intensivem Austausch mit Expertinnen und Experten in Australien sowie anderen europäischen Zoos, die Koalas halten.“
Wilhelma-Direktor Dr. Thomas Kölpin erklärt: „Die Koala-Bestände sind in Teilen Australiens in den letzten beiden Jahrzehnten um die Hälfte geschrumpft. Und der Trend geht leider weiter abwärts. Den Reservepopulationen in Zoos in Australien und aller Welt kommt daher eine immer größer werdende Bedeutung zu. Uns schmerzt der Tod der Koalas sehr, auch weil alles Menschenmögliche getan wurde, leider vergeblich. Dennoch sind wir weiterhin davon überzeugt, dass die Koala-Zucht mittel- bis langfristig das Überleben dieser faszinierenden Tiere sichern kann und wollen dazu unseren Beitrag leisten.
©Text und Fotos: Wilhelma (Terra Australis)
Gestern (26.01.2026) wurden mir von einer Koalafreundin Bilder von den in der Stuttgarter Wilhelma lebenden Koalas zur Verfügung gestellt. Vielen Dank an Stefanie Merk, die natürlich (bitte beachtet das) die Urheberrechte für diese Bilder hat.
© Fotos: Stefanie Merk
Wilhelma meldet Tod von Koala Borobi
Koala im Zoologisch-Botanischen Garten Stuttgart verstorben
Pressemitteilung der Wilhelma vom 23.01.2026
Ende Dezember 2025 ist in der Wilhelma das Koala-Männchen Borobi im Alter von 1,5 Jahren gestorben. Dr. Tobias Knauf-Witzens, leitender Tierarzt in der Wilhelma, erklärt: „Borobi litt schon seit mehreren Monaten an einer langwierigen Lungenentzündung. Es handelt sich dabei um ein Krankheitsbild, das auch aus Australien bekannt ist. Nach dem Eintreten der ersten Symptome hatten wir im engen Dialog mit Koala-Expertinnen und Experten in Australien sowie Lungenspezialisten aus der Humanmedizin verschiedene, teils sehr intensive Therapien durchgeführt. Damit konnten wir Borobi zeitweise stabilisieren. Nachdem sich sein Zustand Ende Dezember wieder deutlich verschlechtert hatte, mussten wir die Entscheidung treffen, den Koala von seinem Leid zu erlösen.“
Koala Borobi im Mai 2025
Volker Grün, zuständiger Kurator und gleichzeitig Co-Zuchtbuchkoordinator des Europäischen Ex Situ-Programms für Koalas, betont: „Der Tod von Borobi hat uns alle, besonders das Team der Terra Australis, emotional sehr berührt. Da Borobi und seine Eltern nicht näher mit den anderen in Europa gehaltenen Koalas verwandt ist, hätte er außerdem einen wichtigen Beitrag für die europäische Reservepopulation leisten können. Auch in dieser Hinsicht ist sein Tod daher ein großer Verlust.“
Wilhelma-Direktor Dr. Thomas Kölpin: „Oft verdrängen wir es. Aber der Tod gehört zum Leben dazu – das gilt in zoologischer Haltung genau wie in der Natur. Dennoch führt er zwangsläufig zu Momenten der Trauer. Ein Lichtblick ist daher, dass unser Koala-Weibchen Auburn wieder Nachwuchs bekommen hat. Der Joey schaut mittlerweile immer häufiger aus dem Beutel. Auch für unsere Besucherinnen und Besucher in der Terra Australis steigen damit die Chancen, Mutter und Jungtier mit eigenen Augen zu bewundern.“
©Text und Fotos: Wilhelma (Terra Australis) /Birger Meierjohann
Update 27.01.2026
Die Wilhelma hat den Tod von Koala Borobi erst jetzt (Ende Januar 2026) öffentlich gemacht, obwohl das Tier bereits Ende Dezember 2025 gestorben ist. Viele Koalafans haben mich daraufhin angesprochen, warum die Bekanntmachung mit zeitlicher Verzögerung erfolgt ist. Ich habe bewusst ein wenig gewartet, da ich gerade bei Facebook zu diesem Thema von sog. "Zoogegnern" angegriffen wurde. Heute (27.01.2026) gab es einige Pressemeldungen, die allerdings alle hinter einer Bezahlschranke versteckt sind. Ich versuche hier die frei zugänglichen Meldungen nocheinmal zusammenzufassen.
Der Hauptgrund für die verzögerte öffentliche Mitteilung liegt darin, dass die Wilhelma zunächst die Obduktion und die abschließende Klärung der Todesursache abwarten wollte, bevor sie die Nachricht breit streut – besonders bei einem so jungen und beliebten Tier wie Borobi.
Aus den Berichten und der offiziellen Pressemitteilung der Wilhelma ergibt sich folgendes Bild:
Borobi (ein eineinhalb Jahre altes Männchen) litt bereits seit mehreren Monaten an einer schweren, langwierigen Lungenentzündung (verursacht durch Bakterien wie Bordetellen), eine Erkrankung, die bei Koalas auch in Australien bekannt ist.
Es gab intensive Behandlungen, Austausch mit Koala-Expert:innen aus Australien und sogar Human-Lungenspezialist:innen. Ende Dezember 2025 verschlechterte sich der Zustand plötzlich massiv, sodass das Team entschied, Borobi einzuschläfern, um weiteres Leiden zu verhindern.
Die Meldung erfolgte erst nach Abschluss der diagnostischen Untersuchungen (inkl. Obduktion / pathologischer Befund), um fundierte Angaben zur Ursache machen zu können.
Diese Vorgehensweise ist in Zoos nicht unüblich, wenn es um sensible Todesfälle bei besonders geschützten oder publikumswirksamen Arten geht: Man vermeidet Spekulationen, Halbwahrheiten oder unnötige Aufregung, bevor alle Fakten (insbesondere die genaue Todesursache und ob es eventuell Konsequenzen für andere Tiere gibt) geklärt sind.
Die offizielle Pressemitteilung der Wilhelma erschien am 23. Januar 2026, und Medien wie Stuttgarter Zeitung, SWR und tagesschau berichteten dann darüber.
Es gibt keine Hinweise auf Vertuschung oder Skandal – die Verzögerung diente der sachlichen Aufklärung.
Hallo, das ist Auburn mit ihrem Joey, geboren im Juni in der Stuttgarter Wilhelma.
Heute (13.01.2026) mit viel Geduld endlich erwischt.
Vielen Dank an Petra Ballon
Fotos: © Foto: Petra Ballon
Ein Koala-Jungtier zum Weihnachtsfest
Erneut Koala-Nachwuchs im Zoologisch-Botanischen Garten Stuttgart
Pressemitteilung der Wilhelma Stuttgart vom 22.12.2025
Nicht nur der Weihnachtsmann ist in diesen Tagen mit einem prall gefüllten Beutel unterwegs: Auch bei Koala-Dame Auburn in der Wilhelma fällt immer deutlicher auf, dass Bewegung in ihrem Beutel herrscht: Mal zappelt es unter ihrem dichten Pelz, mal ragt ein winziges Füßlein heraus – und mit ganz viel Glück zeigt sich auch das Köpfchen eines Baby-Koalas, das zaghaft die ersten Blicke nach draußen wagt.
Volker Grün, Kurator der Terra Australis, der Australienwelt in der Wilhelma, erklärt: „Zur Welt gekommen ist unser Joey – so nennt man die Jungtiere bei den Beuteltieren – bereits Ende Juni. Davon war aber erst einmal nichts zu sehen. Bei der Geburt sind die Joeys nämlich gerade einmal so groß wie Gummibärchen. Fünf bis sechs Monate später schauen sie erstmals aus dem Beutel der Mutter. Bis sie diesen ganz verlassen haben, vergehen aber noch weitere Wochen.“
Mutter des Jungtieres, dessen Geschlecht noch unbekannt ist, ist die fünf Jahre alte Auburn. Sein Vater ist der sieben Jahre alte Aero. Alle erwachsenen Koalas der Wilhelma sind Nachzuchten aus der Dreamworld Wildlife Foundation in Australien.
Koalas gehören seit der Eröffnung der Terra Australis im Juli Frühjahr 2023 zu den Publikumslieblingen in der Wilhelma – schließlich ist der Zoologisch-Botanische Garten Stuttgart nur einer von insgesamt vier deutschen, bzw. Zoos, in denen die eukalyptusfressenden Beuteltiere aus Australien zu sehen sind. Dr. Thomas Kölpin: „Dass sich nun zum Ende der Adventszeit wieder ein Jungtier bei den Koalas zeigt, ist für uns wie ein Weihnachtsgeschenk. Auch für das europäische Ex Situ-Zuchtprogramm ist jedes einzelne Jungtier von enormer Bedeutung. In Australien gelten Koalas laut Weltnaturschutzunion IUCN als gefährdet. Lebensraumverlust, z. B. durch Abholzung und Bebauung gehört dabei zu den Hauptursachen. Die durch den Klimawandel bedingten immer häufiger auftretenden Busch- und Waldbrände verschlimmern die Situation.
Besonders in der Nähe menschlicher Siedlungen fallen Koalas regelmäßig dem Straßenverkehr und Angriffen von Haushunden zum Opfer. Alleine in Queensland geht man davon aus, dass die dortige Population der Koalas seit der Jahrtausendwende um mehr als 50 % zurückgegangen ist. Die Koalas in europäischen Zoos sind darum zum einen Botschaftertiere, die auf die Problematiken in Down Under aufmerksam machen – zum anderen bilden sie angesichts des massiven Bestandrückgangs in der Natur eine immer wichtiger werdende Reservepopulation.“
©Text und Fotos: Wilhelma (Terra Australis) /Birger Meierjohann
Erster Koala-Nachwuchs in Süddeutschland
Sensationeller Nachzuchterfolg in der Wilhelma in Stuttgart (Pressemittelung 13.12.2024)
Der Wilhelma in Stuttgart ist wieder einmal ein sensationeller Zuchterfolg gelungen. In der erst im Juli 2023 eröffneten Terra Australis können die Besucherinnen und Besucher des zoologisch-botanischen Gartens daher seit wenigen Tagen erstaunliche Beobachtungen machen: Bei den beiden Koala-Weibchen Scar und Auburn zappelt etwas im Beutel. Mit etwas Glück sieht man auch schon einmal ein winziges Bein oder sogar ein Köpfchen herausragen. Damit steht es endgültig fest: In der Wilhelma sind dieses Jahr zwei Koalas zur Welt gekommen.
Wilhelma-Direktor Dr. Thomas Kölpin zeigt sich begeistert: „Wir sind überglücklich, dass sich bei unseren Koalas schon im ersten Jahr nach ihrem Einzug in die Wilhelma Nachwuchs eingestellt hat – der beste Beweis, dass wir der sensiblen Art beste Bedingungen bieten.“
Bereits im Mai wurde den Tierpflegerinnen und Tierpfleger der Terra Australis klar, dass das sechsjährige Koala-Männchen Aero Interesse für die drei Jahre alte Auburn und die fünf Jahre alte Scar zeigte. Mehrfach kam es zu Paarungen. Das dreijährige Männchen Navy dagegen konnte die beiden Weibchen noch nicht von sich überzeugen.
Volker Grün, der stellvertretende Direktor der Wilhelma und gleichzeitig Kurator der Terra Australis, erklärt: „Geboren wurden die beiden Jungtiere bereits Mitte Juni nach gerade einmal 35 Tagen Tragzeit. Die Joeys – so nennt man den Nachwuchs bei Beuteltieren – waren damals nackt, blind und so groß wie ein Gummibärchen. Direkt nach der Geburt mussten sie in die Beutel ihrer Mütter kriechen, wo sie für uns alle unsichtbar heranwuchsen. Direkt nach der Geburt mussten sie in die Beutel ihrer Mütter kriechen, wo sie für uns alle unsichtbar heranwuchsen – eine sehr sensible Phase. Umso mehr freuen wir uns, dass schon bald zwei kleine Koalas aus den Beuteln blicken werden.“
Die Haltung und Zucht der sympathischen Australier gilt als höchst anspruchsvoll. Schließlich sind Koalas Nahrungsspezialisten, die nichts außer Blättern und Rinde des Eukalyptus fressen. Von diesem gibt es allerdings zahlreiche Arten, die nicht in allen Wachstumsphasen als Nahrung geeignet sind. Zudem gibt es auch bei Koalas Feinschmecker, welche manche Eukalyptussorten bevorzugen und andere links liegen lassen. Die Baby-Koalas ernähren sich in den ersten Wochen nach ihrer Geburt ausschließlich von Muttermilch. Ab der 22. Lebenswoche kommt der sogenannte „Pap“ hinzu: Dabei handelt es sich um einen im Blinddarm der Muttertiere gebildeten sehr weichen Kot. Er enthält neben wichtigen Proteinen auch Mikroorganismen, die für die Entwicklung des Verdauungssystems der Jungtiere lebenswichtig sind – nur mit ihrer Hilfe können später ab einem Alter von sechs bis sieben Monaten die eigentlich giftigen Eukalyptusblätter verdaut werden.
Um die Koalas optimal zu versorgen, bezieht die Wilhelma zweimal die Woche 90 Bund frischen Eukalyptus aus einer Spezialgärtnerei. Hinzu kommt als „eiserne Reserve“ für den Fall, dass mal eine Lieferung ausfällt, ein eigenes Gewächshaus mit rund 100 Eukalyptusbäumchen. Der hohe Pflegeaufwand ist einer der Gründe, warum Koalas in Deutschland und Europa eine Rarität darstellen. Bundesweit werden sie nur in drei weiteren Zoos gehalten. Volker Grün, der außerdem Ko-Koordinator des europäischen Zuchtbuches für Koalas ist, erläutert: „Unsere Tiere stammen direkt von der Dreamworld Wildlife Foundation in Australien. Sie sind damit nicht näher mit den anderen Zoo-Koalas in Europa verwandt. Unsere Nachzucht ist daher ein wichtiger Baustein, um eine genetisch vielfältige Reservepopulation der Koalas in menschlicher Obhut weiterzuentwickeln.“ Dr. Thomas Kölpin ergänzt: „Angesichts der Tatsache, dass Koalas aufgrund von Lebensraumzerstörung und Buschbränden als gefährdet gelten, ist das eine wichtige Aufgabe – auch für Zoos außerhalb von Australien. Außerdem sind die Sympathieträger von Down Under Botschaftertiere, die uns helfen, bei unseren Besucherinnen und Besuchern ein Bewusstsein für die Auswirkungen des Klimawandels und die Biodiversitätskrise zu wecken.“
Copyright für Tex und Bilder: ©Wilhelma Stuttgart