Koala-Weibchen Scarborough verstorben
Trauriger Verlust im Zoologisch-Botanischen Garten Stuttgart
Koala-Weibchen Scarborough lebte seit 2023 in der Wilhelma
Pressemitteilung der Wilhelma Stuttgart vom 11.02.2026
In der Australienwelt Terra Australis der Wilhelma ist es zu einem weiteren Todesfall bei den Koalas gekommen: Das fast sieben Jahre alte Weibchen Scarborough musste am 29. Januar 2026 aufgrund ihres sich stark verschlechternden Gesundheitszustands eingeschläfert werden.
Wie der leitende Tierarzt der Wilhelma, Dr. Tobias Knauf-Witzens, erläutert, bestätigte der pathologische Befund eine schwere Anämie (Blutarmut) als unmittelbare Todesursache. „Leider konnte trotz umfangreicher Untersuchungen keine eindeutige Ursache für diese Anämie festgestellt werden“, so Knauf-Witzens. Zusätzlich wurde bei Scarborough das Bakterium Bordetella bronchiseptica in Lunge, Leber und Niere nachgewiesen.
In den vergangenen Monaten hatte die Wilhelma bereits den Verlust der beiden jungen Koalas Jimbelung und Borobi zu beklagen, die im Juni 2024 geboren wurden. In diesen beiden Fällen waren Bordetellen die eindeutige Ursache schwerer Lungenentzündungen, an denen die Jungtiere verstarben. Auch bei Scarborough war der Erreger seit Herbst 2025 nachweisbar. Anders als bei den beiden Jungtieren entwickelte sie jedoch keine Lungenerkrankung. Ob ein Zusammenhang zwischen dem Auftreten der Bordetellen und der bei ihr festgestellten Anämie besteht, kann weder bestätigt noch ausgeschlossen werden.
„Aufgrund unserer Erfahrungen haben wir uns entschlossen, unsere Koalas regelmäßig gegen Bordetellen zu impfen“, erklärt Dr. Knauf-Witzens. „Bislang gab es dafür keine offizielle Empfehlung, da solche Erkrankungen bei in Europa gehaltenen Koalas in dieser Form bislang nicht bekannt waren.“ Volker Grün, für die Terra Australis zuständiger Kurator und Co-Zuchtbuchkoordinator des Europäischen Ex-Situ Programms (EEP) zeigt sich tief betroffen: „Der Tod von Scarborough trifft uns sehr. Wir stehen in intensivem Austausch mit Expertinnen und Experten in Australien sowie anderen europäischen Zoos, die Koalas halten.“
Wilhelma-Direktor Dr. Thomas Kölpin erklärt: „Die Koala-Bestände sind in Teilen Australiens in den letzten beiden Jahrzehnten um die Hälfte geschrumpft. Und der Trend geht leider weiter abwärts. Den Reservepopulationen in Zoos in Australien und aller Welt kommt daher eine immer größer werdende Bedeutung zu. Uns schmerzt der Tod der Koalas sehr, auch weil alles Menschenmögliche getan wurde, leider vergeblich. Dennoch sind wir weiterhin davon überzeugt, dass die Koala-Zucht mittel- bis langfristig das Überleben dieser faszinierenden Tiere sichern kann und wollen dazu unseren Beitrag leisten.
©Text und Fotos: Wilhelma (Terra Australis)
Gestern (26.01.2026) wurden mir von einer Koalafreundin Bilder von den in der Stuttgarter Wilhelma lebenden Koalas zur Verfügung gestellt. Vielen Dank an Stefanie Merk, die natürlich (bitte beachtet das) die Urheberrechte für diese Bilder hat.
© Fotos: Stefanie Merk
Wilhelma meldet Tod von Koala Borobi
Koala im Zoologisch-Botanischen Garten Stuttgart verstorben
Pressemeldung der Wilhelma vom 23.01.2026
Ende Dezember 2025 ist in der Wilhelma das Koala-Männchen Borobi im Alter von 1,5 Jahren gestorben. Dr. Tobias Knauf-Witzens, leitender Tierarzt in der Wilhelma, erklärt: „Borobi litt schon seit mehreren Monaten an einer langwierigen Lungenentzündung. Es handelt sich dabei um ein Krankheitsbild, das auch aus Australien bekannt ist. Nach dem Eintreten der ersten Symptome hatten wir im engen Dialog mit Koala-Expertinnen und Experten in Australien sowie Lungenspezialisten aus der Humanmedizin verschiedene, teils sehr intensive Therapien durchgeführt. Damit konnten wir Borobi zeitweise stabilisieren. Nachdem sich sein Zustand Ende Dezember wieder deutlich verschlechtert hatte, mussten wir die Entscheidung treffen, den Koala von seinem Leid zu erlösen.“
Koala Borobi im Mai 2025
Volker Grün, zuständiger Kurator und gleichzeitig Co-Zuchtbuchkoordinator des Europäischen Ex Situ-Programms für Koalas, betont: „Der Tod von Borobi hat uns alle, besonders das Team der Terra Australis, emotional sehr berührt. Da Borobi und seine Eltern nicht näher mit den anderen in Europa gehaltenen Koalas verwandt ist, hätte er außerdem einen wichtigen Beitrag für die europäische Reservepopulation leisten können. Auch in dieser Hinsicht ist sein Tod daher ein großer Verlust.“
Wilhelma-Direktor Dr. Thomas Kölpin: „Oft verdrängen wir es. Aber der Tod gehört zum Leben dazu – das gilt in zoologischer Haltung genau wie in der Natur. Dennoch führt er zwangsläufig zu Momenten der Trauer. Ein Lichtblick ist daher, dass unser Koala-Weibchen Auburn wieder Nachwuchs bekommen hat. Der Joey schaut mittlerweile immer häufiger aus dem Beutel. Auch für unsere Besucherinnen und Besucher in der Terra Australis steigen damit die Chancen, Mutter und Jungtier mit eigenen Augen zu bewundern.“
©Text und Fotos: Wilhelma (Terra Australis) /Birger Meierjohann
Update 27.01.2026
Die Wilhelma hat den Tod von Koala Borobi erst jetzt (Ende Januar 2026) öffentlich gemacht, obwohl das Tier bereits Ende Dezember 2025 gestorben ist. Viele Koalafans haben mich daraufhin angesprochen, warum die Bekanntmachung mit zeitlicher Verzögerung erfolgt ist. Ich habe bewusst ein wenig gewartet, da ich gerade bei Facebook zu diesem Thema von sog. "Zoogegnern" angegriffen wurde. Heute (27.01.2026) gab es einige Pressemeldungen, die allerdings alle hinter einer Bezahlschranke versteckt sind. Ich versuche hier die frei zugänglichen Meldungen nocheinmal zusammenzufassen.
Der Hauptgrund für die verzögerte öffentliche Mitteilung liegt darin, dass die Wilhelma zunächst die Obduktion und die abschließende Klärung der Todesursache abwarten wollte, bevor sie die Nachricht breit streut – besonders bei einem so jungen und beliebten Tier wie Borobi.
Aus den Berichten und der offiziellen Pressemitteilung der Wilhelma ergibt sich folgendes Bild:
Borobi (ein eineinhalb Jahre altes Männchen) litt bereits seit mehreren Monaten an einer schweren, langwierigen Lungenentzündung (verursacht durch Bakterien wie Bordetellen), eine Erkrankung, die bei Koalas auch in Australien bekannt ist.
Es gab intensive Behandlungen, Austausch mit Koala-Expert:innen aus Australien und sogar Human-Lungenspezialist:innen. Ende Dezember 2025 verschlechterte sich der Zustand plötzlich massiv, sodass das Team entschied, Borobi einzuschläfern, um weiteres Leiden zu verhindern.
Die Meldung erfolgte erst nach Abschluss der diagnostischen Untersuchungen (inkl. Obduktion / pathologischer Befund), um fundierte Angaben zur Ursache machen zu können.
Diese Vorgehensweise ist in Zoos nicht unüblich, wenn es um sensible Todesfälle bei besonders geschützten oder publikumswirksamen Arten geht: Man vermeidet Spekulationen, Halbwahrheiten oder unnötige Aufregung, bevor alle Fakten (insbesondere die genaue Todesursache und ob es eventuell Konsequenzen für andere Tiere gibt) geklärt sind.
Die offizielle Pressemitteilung der Wilhelma erschien am 23. Januar 2026, und Medien wie Stuttgarter Zeitung, SWR und tagesschau berichteten dann darüber.
Es gibt keine Hinweise auf Vertuschung oder Skandal – die Verzögerung diente der sachlichen Aufklärung.
Hallo, das ist Auburn mit ihrem Joey, geboren im Juni in der Stuttgarter Wilhelma.
Heute (13.01.2026) mit viel Geduld endlich erwischt.
Vielen Dank an Petra Ballon
Fotos: © Foto: Petra Ballon
Ein Koala-Jungtier zum Weihnachtsfest
Erneut Koala-Nachwuchs im Zoologisch-Botanischen Garten Stuttgart
Pressemitteilung der Wilhelma Stuttgart vom 22.12.2025
Nicht nur der Weihnachtsmann ist in diesen Tagen mit einem prall gefüllten Beutel unterwegs: Auch bei Koala-Dame Auburn in der Wilhelma fällt immer deutlicher auf, dass Bewegung in ihrem Beutel herrscht: Mal zappelt es unter ihrem dichten Pelz, mal ragt ein winziges Füßlein heraus – und mit ganz viel Glück zeigt sich auch das Köpfchen eines Baby-Koalas, das zaghaft die ersten Blicke nach draußen wagt.
Volker Grün, Kurator der Terra Australis, der Australienwelt in der Wilhelma, erklärt: „Zur Welt gekommen ist unser Joey – so nennt man die Jungtiere bei den Beuteltieren – bereits Ende Juni. Davon war aber erst einmal nichts zu sehen. Bei der Geburt sind die Joeys nämlich gerade einmal so groß wie Gummibärchen. Fünf bis sechs Monate später schauen sie erstmals aus dem Beutel der Mutter. Bis sie diesen ganz verlassen haben, vergehen aber noch weitere Wochen.“
Mutter des Jungtieres, dessen Geschlecht noch unbekannt ist, ist die fünf Jahre alte Auburn. Sein Vater ist der sieben Jahre alte Aero. Alle erwachsenen Koalas der Wilhelma sind Nachzuchten aus der Dreamworld Wildlife Foundation in Australien.
Koalas gehören seit der Eröffnung der Terra Australis im Juli Frühjahr 2023 zu den Publikumslieblingen in der Wilhelma – schließlich ist der Zoologisch-Botanische Garten Stuttgart nur einer von insgesamt vier deutschen, bzw. Zoos, in denen die eukalyptusfressenden Beuteltiere aus Australien zu sehen sind. Dr. Thomas Kölpin: „Dass sich nun zum Ende der Adventszeit wieder ein Jungtier bei den Koalas zeigt, ist für uns wie ein Weihnachtsgeschenk. Auch für das europäische Ex Situ-Zuchtprogramm ist jedes einzelne Jungtier von enormer Bedeutung. In Australien gelten Koalas laut Weltnaturschutzunion IUCN als gefährdet. Lebensraumverlust, z. B. durch Abholzung und Bebauung gehört dabei zu den Hauptursachen. Die durch den Klimawandel bedingten immer häufiger auftretenden Busch- und Waldbrände verschlimmern die Situation.
Besonders in der Nähe menschlicher Siedlungen fallen Koalas regelmäßig dem Straßenverkehr und Angriffen von Haushunden zum Opfer. Alleine in Queensland geht man davon aus, dass die dortige Population der Koalas seit der Jahrtausendwende um mehr als 50 % zurückgegangen ist. Die Koalas in europäischen Zoos sind darum zum einen Botschaftertiere, die auf die Problematiken in Down Under aufmerksam machen – zum anderen bilden sie angesichts des massiven Bestandrückgangs in der Natur eine immer wichtiger werdende Reservepopulation.“
©Text und Fotos: Wilhelma (Terra Australis) /Birger Meierjohann
Erste Gedenkmedaille seit 50 Jahren: Dieser Wilhelma-Liebling ist das Motiv 27.11.2025
Foto: LICHTGUT
Für die Wilhelma, Deutschlands einzigem zoologisch-botanischen Garten, ist eine neue Medaille geprägt worden. Was steckt dahinter?
von Iris Frey, STUTTGARTER ZEITUNG
Sie zeigt auf der einen Seite einen Koala, die neue Gedenkmedaille der Wilhelma. Die nun neu hergestellte Medaille aus Silber haben Finanzstaatssekretärin Gisela Splett (Grüne), der Leiter der Staatlichen Münzen Baden-Württemberg, Thomas Bader, und der Direktor des zoologisch-botanischen Gartens, Thomas Kölpin, in der Stuttgarter Prägestätte nun vorgestellt.
Wilhelma-Liebling Koala ist das prägende Motiv der Medaille
„Das prägende Motiv der aktuellen Medaille ist unser Koala Navy“, verriet Kölpin. Die Koalas aus dem australischen Queensland gibt es seit 2023 im Stuttgarter Zoo. Sie hätten sich schnell zu einem Liebling der Besucher entwickelt.
Bereits in den 1970er Jahren gab es Gedenkmedaillen für die Wilhelma, weiß Thomas Bader zu berichten. Ein Mitarbeiter hatte die Stempel im Februar in der Staatlichen Münze in Bad Cannstatt gefunden. Einen Stempel mit drei Elefanten als Motiv und einen mit einem Flusspferd als Motiv. Jetzt wurde eine neue Medaille entwickelt, die die Wilhelma in der heutigen Zeit widerspiegelt und auch das aktuelle Logo enthält. So wird sie auch mit Blick auf das 175-Jahr-Jubiläum im Jahr 2028 hergestellt.
Bei der Vorstellung der Medaille, deren erstes Stück sie selbst prägte, hob Finanzstaatssekretärin Gisela Splett die „glänzende Kooperation“ zwischen der Wilhelma und dem Landesbetrieb der Staatlichen Münzen und den Stuttgarter Zoo hervor als Ort, an dem „historische Architektur, Botanik und Zoologie zusammenkommen“.
Bader sagte, dass mit der neuen Medaille „die kulturellen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Verdienste der Wilhelma gewürdigt werden.“ Neben dem „herausragenden Engagement in den Bereichen Artenschutz, Bildung und Forschung“, stellte Bader die Wilhelma mit ihren fast zwei Millionen Besuchern im Jahr als „wichtigen Pfeiler des wirtschaftlichen Lebens der Region Stuttgart“ heraus.
Wilhelma-Direktor Kölpin, der das zweite Medaillenstück prägte, sagte: „Die neue Medaille bringt uns weitere Aufmerksamkeit für die Wilhelma und ihre Ziele und ist eine tolle Ehrung für uns.“
Auflage der Wilhelma-Gedenkmedaille beträgt 500 Stück Die Gestaltung der neuen 40 Millimeter großen Medaille mit Spiegelglanz, die nun mit einer Auflage von 500 Stück geprägt wird, entstand in enger Zusammenarbeit mit den beiden Institutionen. Die Medaille besteht aus Feinsilber und zeigt auf der einen Seite die Wort-Bild-Marke der Wilhelma und auf der anderen Seite den Koala, stellvertretend für die Tier- und Pflanzenwelt des Stuttgarter Zoos.
Silber ist bei Anlegern in den letzten Monaten in der Gunst gestiegen. Aber: „Die Nachfrage nach Medaillen spielt im Silberhandel nur eine untergeordnete Rolle“, erklärt Andreas Anklam vom Edelmetall- und Münzkabinett der BW-Bank in Stuttgart. Silber-Interessenten vertrauen lieber auf eine Silbermünze, so Anklam, „mit der sie auch bezahlen könnten“.
Interessierte erhalten mehr Infos online unter https://mintbw.de. Die Wilhelma-Medaille kostet 95 Euro. Ein Teil des Erlöses geht an das vom Land Baden-Württemberg geförderte Klimaschutzprojekt „Klimaschutz und Klimaanpassung durch Kaffeeagroforstanbau von Kleinbauernfamilien in Burundi ,Kli2Ka‘ 2025 bis 2026“.
Zu sehen gibt es die neue Wilhelma-Medaille außerdem am Samstag, 6. Dezember, bei der Buchmesse „Winterlesezauber“ in Fellbach.
Trauriger Verlust in der Terra Australis im Zoologisch-Botanischen Garten Stuttgart
Koala-Jungtier Jimbelung im März 2025
© Foto: Wilhelma/Marcel Schneider
Am 13. August 2025 ist in der Wilhelma das Koala-Jungtier Jimbelung im Alter von fast 14 Monaten gestorben. Ursache für den Tod des weiblichen Jungtieres war eine Atemwegserkrankung. Nachdem diese in Behandlung und Besserung in Aussicht war, hatten sich die Symptome wider Erwarten verschlimmert. Jimbelungs Halbbruder Borobi ist weiterhin kerngesund und wohlauf.
Seit der Eröffnung der Australienanlage „Terra Australis“ im Juli 2023 sind in der Wilhelma Koalas zu bewundern. Die Freude war groß, als schon im Dezember 2024 zwei „Joeys“ aus den Beuteln ihrer Mütter lugten. Zur Welt gekommen waren sie schon im Juni 2024 – damals noch nackt, blind und gerade einmal so groß wie ein Gummibärchen. Beide Jungtiere wuchsen schnell heran und avancierten schnell zu Publikumslieblingen.
Wilhelma-Direktor Dr. Thomas Kölpin zeigt sich bestürzt über Jimbelungs Tod: „Der Nachwuchs bei den Koalas war für uns ein sensationeller Zuchterfolg bei dieser bundesweit nur noch in drei anderen Zoos gehaltenen Art. Hinzu kommt, dass die in der Dreamworld Wildlife Foundation in Australien zur Welt gekommenen Eltern beider Jungtiere nicht näher mit den in den europäischen Zoos lebenden Koalas verwandt sind. Sie und ihre Nachkommen sind darum genetisch extrem wertvoll für unsere Reservepopulation. Fakt ist, dass Todesfälle bei Jungtieren in der Natur deutlich häufiger vorkommen als in Zoos. Dennoch sind wir zutiefst traurig über den Verlust von Jimbelung. Und genau wie in der Natur liegen auch jetzt Freud und Leid nahe beieinander: Jimbelungs Mutter Auburn hat nämlich wieder ein Jungtier zur Welt gebracht. Es ist aber erst wenige Wochen alt. Wir hoffen, dass es sich gut entwickeln und im Laufe des Winters erstmals aus dem Beutel schauen wird.“
Die jungen Stuttgarter Koalas haben jetzt auch Namen
Wilhelma Stuttgart / Stuttgarter Zeitung
15.04.2025
Iris Frey
Nun ist es geklärt. Zehn Monate nach ihrer Geburt haben die zwei Lieblinge in der Terra Australis einen Namen, ausgesucht von Nachfahren der ersten Bewohner Australiens.
Als die Terra Australis in der Wilhelma im Sommer vor zwei Jahren eröffnet wurde, waren sie auch vor Ort, Mitglieder der First Nation, Nachfahren der Ureinwohner Australiens. Mit speziellen Zeremonien, Tänzen, Gesängen und dem Rauch von brennenden Eukalyptus haben sie damals die neue Australienwelt mit eröffnet. Nun gab es im Sommer vergangenen Jahres erstmals gleich doppelten Nachwuchs bei den Koalas. Die beiden Babys sind mittlerweile so gut wie ganz aus ihrem Beutel heraus und deshalb auch für die Besucher besser zu sehen – wenn sie nicht gerade schlafen.
Besucher sind fasziniert von den Tieren
Die Besucher stehen nach wie vor fasziniert mit und ohne Fotoapparat oder Smartphone vor dem Gehege und beobachten geduldig die Tiere, die aus dem australischen Queensland stammen und vor zwei Jahren von Tierpflegerin Michele Barnes gebracht wurden: die beiden Weibchen Auburn, Scarborough mit Aero und Navy. Aero ist seit vergangenem Jahr der Vater der zwei Babys von Auburn und Scarborough.
Die beiden Kleinen hatten bislang noch keine Namen. Die sind jetzt gefunden. Und da geht der Blick nach Australien: Nachfahren der ersten Bewohner Australiens, Vertreter der Yugambeh aus Queensland haben den männlichen Nachwuchs von Scarborough nun Borobi benannt. Das heißt in der Sprache der Yugambeh im Südosten von Queensland „Koala“. Das weibliche Baby von Auburn soll Jimbelung heißen, was soviel wie Freund/Freundin bedeutet.
Damit ist die Koala-Familie vollständig benannt. Für Wilhelma-Direktor Thomas Kölpin ist die Namensgebung „ein Zeichen des Respekts vor der indigenen Bevölkerung Australiens.“ Es sei eine große Ehre gewesen, als die australische Regierung im Jahr 2023 als Leihgabe die vier Koalas zur Verfügung stellte, um frisches Blut in die europäische Reservepopulation zu bringen angesichts der schwierigen Lebenssituation in Australien mit Buschbränden und dem Verlust von Lebensräumen. „Für uns bedeutet das eine hohe Verantwortung“, so Kölpin. Die Tiere haben einen Namen, weil sie eine Botschafterfunktion haben, um bei den Besuchern die Begeisterung für Biodiversität und Artenschutz zu wecken. Die beiden Mütter leben derzeit mit ihren Kindern zusammen in einem Bereich und sind oftmals gut zu sehen.
Die kleinen Koalas schon ein Kilogramm schwer
Revierleiterin Thali Bauer freut sich, dass sich die kleinen Koalas prächtig entwickeln: „Das verdanken wir vor allem der liebevollen Pflege ihrer Mütter.“ Die Jungtiere seien mittlerweile so groß, dass sie kaum noch in den Beutel passen. Man sehe oft nur noch den Kopf der Kleinen, wie er im Beutel zum Trinken versinkt, während der restliche Körper draußen bleibe, hat sie festgestellt.
Auch an Gewicht haben die Babys zugelegt: „Unser männliches Jungtier hat jetzt die Ein-Kilo-Marke geknackt, seine jüngere Schwester ist mit 920 Gramm dicht dahinter“, so die Revierleiterin. Es sei spannend zu sehen, wie unterschiedlich die beiden sind, sagt Bauer: Das weibliche Jungtier sei offen und mutig, ganz wie ihre Mama – der Apfel falle ja bekanntlich nicht weit vom Stamm. Der kleine Mann hingegen ist eher der ruhige Typ, dafür aber neugierig und bereit, die Welt zu erkunden.
Nachts sind die Kleinen besonders aktiv und spielen zusammen
„In der Nacht sind die beiden besonders aktiv. Sie tollen herum und spielen viel miteinander“, weiß Bauer. Man sehe sie sogar, wie sie über die Gesichter ihrer Mütter klettern und am Boden alles erkunden. Auch über den Tag sieht man sie immer mehr alleine ohne Mutter umherklettern. Die Kleine fordert ihren Bruder häufig auf zum gemeinsamen Eukalyptus-Picknick. Scarborogh sei äußerst fürsorglich und passe immer gut auf ihren Nachwuchs auf. Auburn, die andere Mama, zeige ebenfalls viel Liebe, sei aber manchmal auch froh, wenn sie nicht ständig eine „Wärmflasche“ an ihrem Körper hat. „Insgesamt sind die beiden kleinen Koalas eine wahre Freude zu beobachten, und wir alle hier freuen uns über ihre Fortschritte und das liebevolle Miteinander“, sagt Bauer.
1 / 10
Mutter Scarborough mit ihrem Kind Borobi.
© Foto: Wilhelma/Marcel Schneider
2 / 10
Im Sommer 2023 war die Terra Australis eingeweiht worden, nachdem das ehemalige Menschenaffenhaus umgebaut worden war. Seitdem leben hier mehr als 11 Tierarten in einem Tag- und zwei Nachtbereichen.
© Foto: Iris Frey
3 / 10
Die Terra Australis ist bis heute ein Anziehungspunkt für die Besucher der Wilhelma. Insbesondere der Tagbereich, in dem die Koalas leben.
© Foto: Iris Frey
4 / 10
Die beiden Koala-Mütter Auburn und Scarborough mit ihren Babys vor wenigen Tagen in der Terra Australis.
© Foto: Iris Frey
5 / 10
Bei der Einweihung der Terra Australis in der Wilhelma im Sommer 2023 war die Freude über die neuen Bewohner, die Koalas, groß.
© Foto: Iris Frey
6 / 10
Tierpflegerin Michele Barnes hatte das Koala-Quartett, mit zwei Männchen und zwei Weibchen aus dem australischen Queensland direkt nach Stuttgart in die Wilhelma gebracht. Hier hält sie Navy auf dem Arm.
© Foto: Iris Frey
7 / 10
Bei der Einweihung der Terra Australis am 24. Juli 2023 haben Nachfahren der ersten Bewohner Australiens eine Feuer-Rauch-Zeremonie in der Stuttgarter Wilhelma zelebriert. Die Mununjali Ngari-Group war aus Beaudesert und Logan (Queensland) dazu angereist.
©Foto Lichtgut/Julian Rettig
8 / 10
Mit der Feuer-Rauch-Zeremonie der Mununjali Ngari-Group aus Queensland brachten die Nachfahren der ersten Bewohner Australiens ein Stück ihrer Heimat den Gästen in der Wilhelma nahe, als Vertreter der ältesten lebenden Kultur auf der Welt.
©Foto Lichtgut/Julian Rettig
9 / 10
Die Koala-Babys im Februar 2025. Sie waren im Sommer 2024 auf die Welt gekommen als so genannte Joeys und lebten dann bis Dezember 2024 vorwiegend im Beutel ihrer Mütter.
©Foto Wilhelma/Birger Meierjohann
10 / 10
Im Februar 2025 waren die Kleinen öfter außerhalb des Beutels. Dabei wurde deutlich, dass es sich bei den Koala-Babys um ein männliches und ein weibliches Tier handelt.
©Foto Wilhelma/Birger Meierjohann
Männchen oder Weibchen?
Geschlecht der Koala-Babys steht fest
Iris Frey
Stuttgarter Nachrichten, 19.02.2025
Jetzt ist es klar: Das Geschlecht des Koala-Nachwuchses im Stuttgarter Zoo konnte nun bestimmt werden. Was bedeutet das für die Zucht in der Wilhelma?
Lange mussten sich der Stuttgarter Zoo und die Besucher gedulden, um zu erfahren, welches Geschlecht die Koala-Babys haben, die im Juni 2024 zur Welt gekommen sind und kurz vor Weihnachten in der Wilhelma erstmals aus den Beuteln ihrer Mütter geblickt haben. Seitdem wurde viel über das Geschlecht der beiden Jungtiere gerätselt. Die Spekulationen haben nun ein Ende. Volker Grün, der Leiter des Fachbereichs Zoologie in der Wilhelma und gleichzeitig Kurator der Australienwelt „Terra Australis“, kann nun das Geheimnis lüften: „Unsere Tierpflegerinnen und Tierpfleger können mittlerweile zweifelsfrei bestätigen, dass es sich bei unseren beiden Joeys – so nennt man den Nachwuchs von Beuteltieren – um ein männliches und ein weibliches Jungtier handelt.“
Es wurde festgestellt, dass der am 10. Juni 2024 von Koala-Weibchen Scarborough (kurz „Scar“ genannt) zur Welt gebrachte Joey männlichen Geschlechts ist. Das von Scars Mitbewohnerin Auburn eine Woche später geborene Jungtier ist dagegen weiblich. Der Vater beider Tiere ist der sechs Jahre alte Aero.
Navy könnte nun später auch Vater werden
Was bedeutet das nun für die kommende Zucht? Da in der Wilhelma mit dem vier Jahre alten Navy ein weiteres zuchtfähiges Männchen zu Hause ist, bestünde nun die Möglichkeit, ihn eines Tages in der Wilhelma mit dem weiblichen Jungtier zusammen zu lassen, sobald Navy voraussichtlich selbst bald geschlechtsreif sein wird. Das männliche Jungtier hingegen könnte später über das Ex-Situ Zuchtprogramm des europäischen Zooverbandes EAZA an einen anderen Zoo vermittelt werden, erklärt Wilhelma-Sprecher Birger Meierjohann. Da das junge Männchen mit keinem Zoo-Koala außerhalb der Wilhelma verwandt ist, würde er wertvolle frische Gene in die europäische Reservepopulation der Koalas bringen.
Namen dürfen Vertreter der First Nation auswählen
Als nächstes werden nun Namen für die Babys gesucht. „Da unsere Koalas eine Leihgabe der australischen Regierung sind, möchten wir die Namen als Zeichen des Dankes und des Respekts von Vertreterinnen und Vertretern der First Nations aus Australien auswählen lassen“, so der Wilhelma-Direktor Thomas Kölpin. First Nation sind die Ureinwohner Australiens. „Wir haben bereits eine Anfrage nach Down Under geschickt und sind auf die Vorschläge gespannt.“
© Text: Iris Frey / Stuttgarter Nachrichten
Lieblinge im Stuttgarter Zoo
Die beiden Koala-Babys sind für die Wilhelma ein seltenes Glück
Iris Frey
Stuttgarter Zeitung, 17.02.2025
Nur 13 Zoos in Europa halten Koalas, darunter auch der Stuttgarter Zoo. In der Wilhelma sind im vergangenen Jahr gleich zwei Koala-Babys zur Welt gekommen. Damit hat nun eine stattliche Zahl der beliebten Beuteltiere ihre Heimat in Stuttgart.
Immer öfter kommen die kleinen Publikumslieblinge in der Terra Australis aus dem Beutel. Auf den Rücken ihrer Mütter Auburn und Scarborough erkunden die beiden Koala-Babys, die aus dem australischen Queensland stammen, die Welt. Die Beuteltiere sorgen für große Freude, auch bei Volker Grün. Er ist Leiter des Fachbereich Zoologie der Stuttgarter Wilhelma und Kurator der dortigen Terra Australis. „Die Haltung und Zucht von Koalas in europäischen Zoos ist selten und anspruchsvoll. Aktuell gibt es nur 13 Zoos in Europa, die Koalas halten“, sagt Grün. In Deutschland gibt es derzeit Nachwuchs nur in Duisburg, Dresden und der Wilhelma.
In Europa leben knapp 50 Koalatiere
Nur wenige Beuteltiere leben außerhalb ihrer angestammten Heimat Australien: In Europa sind es knapp 50 Koalas, 17 davon in Deutschland. Aktuell gibt es in der Wilhelma zwei Jungtiere, die Mitte vergangenen Jahres geboren wurden. Zudem gibt es im Zoo Duisburg ein weiteres Jungtier. Im Stuttgarter Zoo zählt die Koala-Familie jetzt sechs Tiere: zwei Weibchen, zwei Männchen und zwei Babys.
Für Grün sind die Koala-Geburten in der Wilhelma „ein bedeutender Erfolg“. Die Tiere fühlten sich in ihrer Umgebung wohl, die Haltungsbedingungen seien optimal. Dieser Zuchterfolg trage zudem zur genetischen Vielfalt und Stabilität der Population in europäischen Zoos bei.
Geschlecht der Koala-Babys ist noch nicht klar
Die Wilhelma plant, die Zucht fortzusetzen und die Koala-Population in Europa weiter zu stärken. Doch noch fehlt eine Erkenntnis zum doppelten Baby-Glück in Stuttgart: das Geschlecht der beiden kleinen Beuteltiere. „Wir haben einen Verdacht, möchten die Jungtiere jedoch in ihrer Entwicklung nicht stören. Daher lassen wir uns mit der Geschlechtsbestimmung noch Zeit“, sagt Grün.
Zwei Zoos koordinieren das Europäische Zuchtprogramm
Das Europäische Erhaltungszuchtprogramm EEP heißt heute EAZA Ex-situ-Programm für Koalas. Es wird von dem Zoo Duisburg und der Stuttgarter Wilhelma koordiniert. Zu den zentralen Aufgaben gehören die Überwachung der Population, die Planung von Zuchtmaßnahmen, die Organisation des Tieraustauschs zwischen Zoos zur Förderung der genetischen Vielfalt und die Beratung bei Haltungsfragen, berichtet Grün.
Die Nachzucht sei mit verschiedenen Herausforderungen verbunden. Eine der größten Schwierigkeiten sei die kontinuierliche Bereitstellung von qualitativ hochwertigem Eukalyptus, da Koalas nur bestimmte Arten akzeptieren. Zudem seien sie empfindlich gegenüber Stress und benötigten sehr spezifische klimatische Bedingungen. Eine erfolgreiche Zucht erfordere daher umfassendes Fachwissen, optimale Haltungsbedingungen und eine enge Zusammenarbeit zwischen den Zoos.
Koalatiere sind nur vier Stunden wach
Und wer die beiden kleinen Beuteltiere in der Wilhelma mit ihren Müttern beobachten will, muss den richtigen Moment erwischen, denn: „Natürlich ist es weiterhin immer Glücksache, Aktivitäten zu beobachten, da Koalas ja über 24 Stunden verteilt nur vier Stunden wach sind. Aber die Chancen, die Jungtiere zu sehen, sind mittlerweile gut“, sagt Wilhelma-Sprecher Birger Meierjohann.
© Text: Iris Frey / Stuttgarter Zeitung
1 / 6
Die kleinen Koala-Babys in der Wilhelma halten sich immer öfter außerhalb des Beutels ihrer Mutter auf.
©Foto: Wilhelma
2 / 6
Volker Grün ist Leiter des Fachbereich Zoologie der Stuttgarter Wilhelma und Kurator der Terra Australis und Co-Zuchtbuchführer des Koala-EEPs.
©Foto: Wilhelma/Birger Meierjohann
3 / 6
Die Koala-Zucht in der Terra Australis ist auch für Europa bedeutsam. Aktuell gibt es nur 13 Zoos in Europa, die Koalas halten.
©Foto: Iris Frey
4 / 6
Auf der Tafel in der Terra Australis sind die beiden Geburten der Koala-Babys schon vermerkt. Noch ist ihr Geschlecht unklar.
©Foto: Iris Frey
5 / 6
In der Terra Australis sind im Juni vergangenen Jahres zwei Koala-Babys geboren worden. Dort gibt es jetzt sechs Koalas.
©Foto: Iris Frey
6 / 6
Eines der beiden Koala-Babys, das jetzt schon munter immer wieder umherklettert und wie das andere auch den Beutel der Mutter verlässt.
©Foto: Wilhelma/Birger Meierjohann
Erster Koala-Nachwuchs in Süddeutschland
Sensationeller Nachzuchterfolg in der Wilhelma in Stuttgart (Pressemittelung 13.12.2024)
Der Wilhelma in Stuttgart ist wieder einmal ein sensationeller Zuchterfolg gelungen. In der erst im Juli 2023 eröffneten Terra Australis können die Besucherinnen und Besucher des zoologisch-botanischen Gartens daher seit wenigen Tagen erstaunliche Beobachtungen machen: Bei den beiden Koala-Weibchen Scar und Auburn zappelt etwas im Beutel. Mit etwas Glück sieht man auch schon einmal ein winziges Bein oder sogar ein Köpfchen herausragen. Damit steht es endgültig fest: In der Wilhelma sind dieses Jahr zwei Koalas zur Welt gekommen.
Wilhelma-Direktor Dr. Thomas Kölpin zeigt sich begeistert: „Wir sind überglücklich, dass sich bei unseren Koalas schon im ersten Jahr nach ihrem Einzug in die Wilhelma Nachwuchs eingestellt hat – der beste Beweis, dass wir der sensiblen Art beste Bedingungen bieten.“
Bereits im Mai wurde den Tierpflegerinnen und Tierpfleger der Terra Australis klar, dass das sechsjährige Koala-Männchen Aero Interesse für die drei Jahre alte Auburn und die fünf Jahre alte Scar zeigte. Mehrfach kam es zu Paarungen. Das dreijährige Männchen Navy dagegen konnte die beiden Weibchen noch nicht von sich überzeugen.
Volker Grün, der stellvertretende Direktor der Wilhelma und gleichzeitig Kurator der Terra Australis, erklärt: „Geboren wurden die beiden Jungtiere bereits Mitte Juni nach gerade einmal 35 Tagen Tragzeit. Die Joeys – so nennt man den Nachwuchs bei Beuteltieren – waren damals nackt, blind und so groß wie ein Gummibärchen. Direkt nach der Geburt mussten sie in die Beutel ihrer Mütter kriechen, wo sie für uns alle unsichtbar heranwuchsen. Direkt nach der Geburt mussten sie in die Beutel ihrer Mütter kriechen, wo sie für uns alle unsichtbar heranwuchsen – eine sehr sensible Phase. Umso mehr freuen wir uns, dass schon bald zwei kleine Koalas aus den Beuteln blicken werden.“
Die Haltung und Zucht der sympathischen Australier gilt als höchst anspruchsvoll. Schließlich sind Koalas Nahrungsspezialisten, die nichts außer Blättern und Rinde des Eukalyptus fressen. Von diesem gibt es allerdings zahlreiche Arten, die nicht in allen Wachstumsphasen als Nahrung geeignet sind. Zudem gibt es auch bei Koalas Feinschmecker, welche manche Eukalyptussorten bevorzugen und andere links liegen lassen. Die Baby-Koalas ernähren sich in den ersten Wochen nach ihrer Geburt ausschließlich von Muttermilch. Ab der 22. Lebenswoche kommt der sogenannte „Pap“ hinzu: Dabei handelt es sich um einen im Blinddarm der Muttertiere gebildeten sehr weichen Kot. Er enthält neben wichtigen Proteinen auch Mikroorganismen, die für die Entwicklung des Verdauungssystems der Jungtiere lebenswichtig sind – nur mit ihrer Hilfe können später ab einem Alter von sechs bis sieben Monaten die eigentlich giftigen Eukalyptusblätter verdaut werden.
Um die Koalas optimal zu versorgen, bezieht die Wilhelma zweimal die Woche 90 Bund frischen Eukalyptus aus einer Spezialgärtnerei. Hinzu kommt als „eiserne Reserve“ für den Fall, dass mal eine Lieferung ausfällt, ein eigenes Gewächshaus mit rund 100 Eukalyptusbäumchen. Der hohe Pflegeaufwand ist einer der Gründe, warum Koalas in Deutschland und Europa eine Rarität darstellen. Bundesweit werden sie nur in drei weiteren Zoos gehalten. Volker Grün, der außerdem Ko-Koordinator des europäischen Zuchtbuches für Koalas ist, erläutert: „Unsere Tiere stammen direkt von der Dreamworld Wildlife Foundation in Australien. Sie sind damit nicht näher mit den anderen Zoo-Koalas in Europa verwandt. Unsere Nachzucht ist daher ein wichtiger Baustein, um eine genetisch vielfältige Reservepopulation der Koalas in menschlicher Obhut weiterzuentwickeln.“ Dr. Thomas Kölpin ergänzt: „Angesichts der Tatsache, dass Koalas aufgrund von Lebensraumzerstörung und Buschbränden als gefährdet gelten, ist das eine wichtige Aufgabe – auch für Zoos außerhalb von Australien. Außerdem sind die Sympathieträger von Down Under Botschaftertiere, die uns helfen, bei unseren Besucherinnen und Besuchern ein Bewusstsein für die Auswirkungen des Klimawandels und die Biodiversitätskrise zu wecken.“
Copyright für Tex und Bilder: ©Wilhelma Stuttgart